Besuch der Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar

Besuch der Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar

Besuch der Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar

Am Samstag, dem 10. Februar 2018 besuchte die Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte-Heimat und das Leben unserer Vorfahren" der Ehrenamtsinitiative „Ich bin dabei“ die Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar. Im Dritten Reich wurden hier unter Geheimhaltung im Rahmen der sog. „T4-Aktion“ etwa 15.000 behinderte Menschen durch das Regime ermordet.

In einem dreistündigen Vortrag, verbunden mit einer Führung durch die ehemalige Mordklinik, wurden die Gruppenmitglieder über die Vernichtung der Behinderten informiert. Schon im 1. Weltkrieg wurden etwa 100 000 Patienten aus den Heil- und Pflegeanstalten durch Verhungern getötet.

Mit der Machtübernahme im Jahr 1933 ließ das Deutsche Reich die geistig- und körperlich behinderten Neugeborenen sterben. Ab 1936 wurden geistig- und körperlich Behinderte ärztlich erfasst und in speziellen Kliniken zeugungsunfähig gemacht.

Zum Beginn des 2. Weltkrieges kam von der Kanzlei des Führers in Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium des Inneren ein Erlass zur Ermordung der geistig Erkrankten. Durchgeführt wurde die Aktion von der Verwaltungszentrale Berlin Tiergartenstr. 4 (T 4).

Von Januar 1941 bis August 1941 wurden in Hadamar 10.000 Menschen durch Gas ermordet. Nach dem Widerstand aus der Bevölkerung und der kath. Kirche wurde die Mordaktion im August 1941 abgebrochen und die meisten Täter in die Vernichtungslager im Osten versetzt. Das gesetzte Ziel der Reichsregierung von 70.000 Toten war damals schon überschritten.

Ab 1942 wurde in Hadamar die wilde Euthanasie durchgeführt. Hier starben nochmals etwa 5000 Menschen den Gift- oder Hungertod. Diese Opfer wurden in als Einzelgräber getarnte Massengräber oberhalb der Anstalt begraben. Die Tarnung war nötig, weil die Stadt Hadamar die Anlage von Massengräbern verboten hatte.

In der ersten Vernichtungsaktion waren Ärzte die Täter. Bei der Zweiten Aktion waren es Pflegekräfte und Klinikangestellte. Sinn der Vernichtung war aus Sicht des Regimes der Tod der unnützen Esser. Behinderte, die noch arbeitsfähig waren, hatten eine Chance zu überleben.

Von den beteiligten Tätern wurden nach dem Krieg drei hingerichtet .Alle zu Gefängnis verurteilten Personen kamen in den fünfziger Jahren wieder frei und sie erhielten wieder Arbeit in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder als Gutachter. Die Täter von gestern stellten die Gutachten für die Entschädigungen der Opferangehörigen aus. Die Ermordeten und Verstümmelten der Euthanasie wurden lange in unserem Staat verschwiegen, die Opferangehörigen mit einem Stigma belastet, leben noch heute damit.

Bewegt von der Führung durch die Gedenkstätte führte die Gruppe im Anschluss Gespräche zum Thema Euthanasie und zum Dritten Reich. Fazit der Projekte-Gruppe: Jeder Bürger sollte diese Gedenkstätte einmal besucht haben – gegen das Vergessen.

Für Fragen rund um die Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte - Heimat und das Leben unserer Vorfahren" steht der Kümmerer Berthold Hammer unter Telefon 02747/1071 oder E-Mail: berthold.hammer@hotmail.de zur Verfügung.

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