Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren" referierte über die "Wunderdroge" der Wehrmacht Pervitin

Projekte-Gruppe „Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren“ referierte über die „Wunderdroge“ der Wehrmacht Pervitin

In ihrem neuesten geschichtlichen Vortrag referierte die Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren" am 5. Juli 2017 in der Dickendorfer Mühle über die "Wunderdroge" der Wehrmacht und ihre schrecklichen Auswirkungen, Pervitin, heute auch als Crystal Meth bekannt.

Diese Droge wurde im Jahr 1938 zufällig von den Temmler-Werken in Berlin entdeckt. Mit der Verabreichung dieses "Medikamentes" sollten für die Soldaten der Wehrmacht in Heer, Luftwaffe und Marine die vermeintlich positiven Wirkungen erzielt werden. So wurde die Leistung um bis zu 20 % gesteigert. Die Konzentration wurde verbessert und das Schlafverhalten geändert. Die Soldaten kamen bis zu drei Tage ohne Schlaf aus. Auch Angstzustände wurden unterdrückt.

So wurden denn die Blitzkriege zunächst unter massivem Missbrauch der Droge gewonnen. Betrafen die Marschleistungen der englischen und französischen Truppen 20 bis 30 Kilometer, so schafften die Deutschen unter Drogeneinfluss bis zu 60 Kilometer.

Erst im Jahr 1941 wurden die schrecklichen Nebenwirkungen dieser Droge bekannt. Sie machte stark abhängig, führte zur Enthemmung und Wesensveränderung der Personen. Sie zehrte den Süchtigen körperlich aus (Schlafmangel) und führte bei älteren Offizieren nicht selten zum Herztod. Ein bekanntes Opfer der Droge war Ernst Udet, auch Heinrich Böll war süchtig. Der Bedarf von Pervitin im Frankreichfeldzug lag bei 37 Millionen Tabletten, im Deutschen Reich wurden die Tabletten unter Rezeptpflicht gestellt. Die Angehörigen der Wehrmacht bekamen die Droge rezeptfrei. Kam es an der Front zu Engpässen mit der Versorgung, wurden auch die Angehörigen um Nachschub gebeten (Briefe von Heinrich Böll).Auch nach dem verlorenen Krieg wurde Pervitin u. a. von deutschen Industriemanagern als Modedroge konsumiert. Gerüchte besagen, dass die Droge sogar bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 Einfluss hatte.

Heute ist Pervitin verboten. In tschechischen Drogenlaboren wird aber mit handelsüblichen Zutaten schmutziges Crystal Meth zusammengepanscht und nach Deutschland geschmuggelt. Da der Reinheitsgrad der Droge so schlecht ist, führt sie zur sofortigen Sucht und Abhängigkeit. Ein Entzug ist nur sehr schwierig zu gestalten.

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