Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren" referierte über Untertage-Verlagerung im Zweiten Weltkrieg

Projekte-Gruppe „Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren“ referierte über Untertage-Verlagerung im Zweiten Weltkrieg

Zu ihrem neuesten Geschichtsvortrag traf sich nun die Projekte-Gruppe "Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren" nebst Gästen und Zuhörern am 2. August 2017 in der Dickendorfer Mühle zu dem Thema der Untertage-Verlagerung (U-Verlagerung) von deutschen Rüstungs- und Produktionsanlagen. Kriegswichtige Betriebe sollten so vor den Bombenangriffen der Alliierten geschützt werden, aber auch geheime Vorhaben sollten vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Bereits im Jahre 1936 gab es Überlegungen im 3. Reich zum baulichen Luftschutz für Industrie und Bevölkerung. Da aber die finanziellen Mittel knapp waren, wurden die Gelder für die Aufrüstung verwendet. Im August 1943 wurde durch die britische Operation "Hydra" die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde zerstört. Ebenfalls wurde Berlin Siemensstadt angegriffen und teilzerstört. Die Engländer hatten ihr Konzept geändert und griffen ab jetzt vermehrt kriegswichtige Industriestandorte an. Mit den Angriffen auf die Kugellagerfabriken in Schweinfurt wurde die Panzerproduktion empfindlich gestört. Die Reichsführung beauftragte den Bauingenieur und Obergruppenführer Hans Kammler mit der Verlegung der Betriebe unter Tage. Zuerst nutzte man vorhandene Gruben, Stollen, Höhlen und Tunnel, um schnell bombensichere Anlagen zu schaffen. Zusammen mit Bauminister Speer und der Organisation Todt, einer paramilitärischen Bautruppe, wurden die Anlagen geplant und man begann mit dem Ausbau. Die Arbeiter wurden von der SS zur Verfügung gestellt. Es handelte sich überwiegend um Zwangsarbeiter und Menschen aus den Konzentrationslagern. Diese wurden unter den schlimmsten Bedingungen förmlich zu Tode gearbeitet. Die statistische Überlebenszeit dieser Arbeiter dauerte nur 6 - 8 Wochen. Das 3. Reich plante die Untertageverlagerung einer Fläche von 7,8 Millionen m², allein die Luftwaffe wollte 1/3 des Raumes nutzen. Die erste in Betrieb gehende Anlage war „Dora 2“ im Harz bei Nordhausen. Mit etwa 650 000 m² war sie auch die größte Anlage. Hier wurde die „Vergeltungswaffe“ V1 und V2 gebaut. Es wurden insgesamt 1000 Anlagen geplant, heute geht man sogar von 1200 Anlagen und mehr aus. Gravierende Auswirkungen für die deutsche Kriegsführung hatten ab 1944 die Bombardierungen der Hydrierwerke (Chemieanlagen), in denen aus Kohle durch direkte Hydrierung flüssiger Kraftstoff, synthetisches Benzin gewonnen wurde. Beim ersten Angriff auf die 17 Hydrierwerke wurden fünf Werke vernichtet. Zusammen mit dem Verlust der rumänischen Ölfelder war die Versorgung der Wehrmacht und der Luftwaffe mit Brennstoff fast zusammengebrochen und erholte sich bis zum Kriegsende nicht mehr. Unter der Planung von Generalkommissar Edmund Geilenberg sollten auch die Hydrierwerke unter Tage verlegt werden. Diese Maßnahme begann Ende 1944 und war zu spät. Das größte im Bau befindliche Hydrierwerk war „Schwalbe 1“ im Sauerland. Es hatte die Größe von 400.000 m². Die gesamten Anlagen im 3. Reich waren geheim. Sie wurden am Ende des Krieges zerstört und die schriftlichen Unterlagen vernichtet. In Österreich wurde erst vor kurzer Zeit eine ehemalige Anlage entdeckt. U-Verlagerungen in unserer Nähe waren die Ofenkaulen in Königswinter, die Anlage Ammer in Siegen sowie die Anlage Eintracht. Eine Erfassung und Untersuchung der Anlagen wäre nicht nur historisch wichtig. Es gibt einige Hobbyforscher, die die alten Anlagen erkunden, erst durch ihre Arbeit ist die Gefahr zu erkennen, die von diesen Anlagen ausgeht. Es sind schon einige Tagesbrüche des maroden Gesteins aufgetreten.

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