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40 Jahre Grube Bindweide: Eine Ausstellung gegen das Vergessen


Es sind Bilder, die von einem Leben erzählen und bis heute in der Region nachhallt. Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung erinnert die Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain an ein Kapitel Westerwälder Industriegeschichte, das den Menschen über Generationen hinweg Identität, Arbeit und Zusammenhalt gegeben hat.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Besucherbergwerks Grube Bindweide zeigt das Rathaus Gebhardshain ab sofort eine umfangreiche fotografische Zeitreise durch die Geschichte des Bergmannsdorfes Steinebach und seiner Menschen. Mehr als 200 historische und zeitgenössische Aufnahmen dokumentieren nahezu eineinhalb Jahrhunderte Bergbaugeschichte im Gebhardshainer Land.

Die Ausstellung schlägt dabei einen eindrucksvollen Bogen von den frühen Jahren des Eisenerzabbaus bis hin zur heutigen Bedeutung der Grube als kultureller Erinnerungsort und touristisches Wahrzeichen der Region. Wo einst hunderte Bergleute unter schwierigsten Bedingungen Erz förderten, begegnen Besucher heute einer Welt aus Stollen, Maschinen und Geschichten, die das industrielle Erbe des Westerwaldes lebendig hält.

Die Grube Bindweide zählt zu den bedeutendsten ehemaligen Eisenerzbergwerken des Siegerländer und Westerwälder Reviers. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Anlage zu einem industriellen Großbetrieb. Zeitweise arbeiteten dort mehrere hundert Menschen über und unter Tage. Mehr als fünf Millionen Tonnen Eisenerz wurden gefördert, bevor die Grube infolge der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931 stillgelegt wurde. Erst Jahrzehnte später begann mit großem ehrenamtlichem Engagement ihre Wiederbelebung als Besucherbergwerk. Seit den 1980er Jahren ist die Bindweide ein Ort gelebter Erinnerungskultur und technischer Geschichte.

„Mit der Grube Bindweide verbindet sich ein Stück Identität unserer Region“, erklärt Bürgermeister Joachim Brenner. „Hier verdichten sich Geschichte, harte Arbeit und das Leben vieler Generationen zu einem gemeinsamen Erinnerungsort. Die Fotografien machen sichtbar, unter welchen Bedingungen Menschen einst ihren Alltag meisterten und welchen Zusammenhalt der Bergbau hervorgebracht hat. Diese Ausstellung erzählt deshalb nicht allein von einer Grube. Sie erzählt von den Menschen dahinter, von ihrer Kraft, ihrem Stolz und ihrem festen Platz in der Geschichte des Gebhardshainer Landes.“

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen nicht allein Maschinen, Fördertürme oder Stollenanlagen. Es sind vor allem die Menschen, die den Bildern ihre besondere Kraft verleihen. Die Fotografien zeigen Bergleute vor der Einfahrt, Familienfeste, Schulklassen, Vereinsleben und den Alltag einer Region, deren Rhythmus einst vom Klang der Grubensignale bestimmt wurde.

Ein wesentlicher Teil der Sammlung geht auf die langjährige Recherchearbeit des Heimatforschers und Grubenführers Joachim Weger zurück. Über viele Jahre hinweg sichtete er private Archive, sammelte historische Fotografien, Postkarten und Zeitdokumente und bewahrte damit zahlreiche seltene Zeugnisse regionaler Geschichte vor dem Verlust. Viele der gezeigten Aufnahmen waren bislang nie öffentlich zu sehen.

Ergänzt wird die historische Dokumentation durch großformatige Fotografien der heutigen Grube Bindweide. Die Arbeiten der Fotografen Regina Brühl und Udo Runnebaum eröffnen neue Perspektiven auf das Besucherbergwerk. Licht, Schatten und die besondere Atmosphäre der unterirdischen Räume verleihen den Motiven eine fast surreale Tiefe und machen deutlich, dass die Bindweide weit mehr ist als ein technisches Denkmal. Sie ist ein Ort des Erinnerns, des Staunens und der Begegnung.

Die Ausstellung versteht sich zugleich als Würdigung der vielen Ehrenamtlichen, ehemaligen Bergleute und Unterstützer, die über Jahrzehnte hinweg dazu beigetragen haben, die Geschichte des heimischen Bergbaus zu bewahren. Ohne ihren Einsatz wäre die Grube Bindweide heute nicht einer der eindrucksvollsten außerschulischen Lernorte und touristischen Anziehungspunkte im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Mit dem Jubiläumsjahr verbindet sich zugleich ein weiterer bedeutender Anlass: Die Bindweider Bergkapelle begeht in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen und unterstreicht damit die enge Verbindung zwischen Bergbau, Kultur und Gemeinschaft im Gebhardshainer Land.

Die Ausstellung „40 Jahre Besucherbergwerk Grube Bindweide – Bergmannsdorf Steinebach im Wandel der Zeit“ ist in den kommenden Wochen im Rathaus Gebhardshain zu sehen.