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Ein Jahrhundert Kloster Bruche: Ein Ort des Glaubens, der Geschichte und der Menschlichkeit

 

Es gibt Gebäude, die weit mehr sind als Stein, Holz und Mauern. Sie tragen Erinnerungen in sich, bewahren das Leben vieler Generationen und erzählen von Menschen, deren Wirken bis in die Gegenwart nachhallt. Das Kloster Bruche gehört zweifellos zu diesen besonderen Orten. Seit nunmehr einem Jahrhundert prägt es das geistige, kulturelle und gesellschaftliche Leben der Region. Mit dem neuen Band der Reihe „Betzdorfer Geschichte(n)“ widmet der Betzdorfer Geschichtsverein diesem geschichtsträchtigen Ort nun eine außergewöhnlich umfangreiche Würdigung.

Anlass ist das 100-jährige Bestehen des Klosters, dessen Grundsteinlegung auf das Jahr 1926 zurückgeht. Noch heute erinnert die Jahreszahl am mächtigen Stein vor dem Haupteingang an den Beginn einer Geschichte, die weit über die Grenzen Betzdorfs hinaus Bedeutung erlangte. Der nun erschienene neunte Band der Schriftenreihe trägt den Titel „100 Jahre Kloster Bruche – zwischen Gebet und Alltag“ und zeichnet auf 128 Seiten die Entwicklung des Hauses eindrucksvoll nach.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein historische Ereignisse, sondern vor allem die Menschen, die das Kloster über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Das ehemalige Missionshaus „Heilige Familie“ war über viele Generationen hinweg ein Ort des Glaubens, der Bildung und des gesellschaftlichen Lebens. Hier wurde die katholische Monatsschrift „Der Sendbote“ herausgegeben, hier entstanden die bis heute bekannten Valentinsmusiker, hier wurde gearbeitet, gebetet und Gemeinschaft gelebt.

Mit großer Sorgfalt und bemerkenswerter wissenschaftlicher Tiefe hat Herausgeber und Geschäftsführer des Betzdorfer Geschichtsvereins, Gerd Bäumer, gemeinsam mit weiteren Autoren die Geschichte des Hauses aufgearbeitet. Grundlage seiner Recherchen war unter anderem die umfangreiche Chronik des Missionshauses, in der das Leben im Kloster über Jahrzehnte hinweg nahezu tagebuchartig dokumentiert wurde. Rund tausend handschriftliche Seiten sichtete Bäumer dafür. Unterstützt wurde das Werk von Beiträgen der Journalistin Claudia Geimer, des ehemaligen Landrats Michael Lieber, des Diakonie-Mitarbeiters Daniel Weber sowie des langjährigen Vereinsmitglieds Hans-Werner Werder.

Bürgermeister Joachim Brenner würdigte bei der Vorstellung des Bandes insbesondere die kulturelle und moralische Bedeutung des Klosters für die Region. „Das Kloster Bruche war über viele Jahrzehnte ein Ort des Glaubens, des Zusammenhalts und des geistigen Rückgrats dieser Region“, erklärte Brenner. „Gerade in schwierigen Zeiten deutscher Geschichte bewiesen die Menschen hier Haltung, Mut und christliche Überzeugung. Dieses Buch setzt dem Kloster deshalb nicht nur ein historisches Denkmal. Es erinnert daran, welche Kraft von Orten ausgehen kann, an denen Werte gelebt werden. Dafür gebührt allen Beteiligten höchste Anerkennung.“

Besonders hob Brenner hervor, dass die Geschichte des Hauses auch nach dem Ende des klösterlichen Lebens nicht abgebrochen sei. Seit 2022 beherbergt das Kloster ein Hospiz der Diakonie Südwestfalen und erfüllt damit erneut eine zutiefst menschliche Aufgabe. Die christliche Ethik und der Gedanke der Fürsorge würden auf diese Weise in würdiger Form weitergetragen. Das Hospiz mit seinen Pflegeplätzen und Mitarbeitenden habe sich längst zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Versorgungslandschaft entwickelt.

Auch Claudia Geimer schilderte im persönlichen Austausch die außergewöhnliche emotionale Bedeutung des Klosters für viele Menschen der Region. Für zahlreiche Familien sei das Gebäude seit Kindheitstagen ein fester Bestandteil ihrer Erinnerungen gewesen. Die Kapelle, die Gartenanlagen, kirchliche Feste oder der Besuch der Weihnachtskrippe hätten Generationen geprägt. Gerade diese persönliche Nähe mache die Geschichte des Klosters so besonders. Das Haus sei niemals nur ein Gebäude gewesen, sondern immer auch ein Ort innerer Ruhe, menschlicher Begegnung und gelebter Gemeinschaft.

Der neue Band beeindruckt zudem durch seinen außergewöhnlich umfangreichen Bildteil. Historische Fotografien dokumentieren das frühere Leben im Kloster als nahezu autarke Gemeinschaft mit Landwirtschaft, Handwerk, Gärtnerei, Druckerei und zahlreichen weiteren Arbeitsbereichen. Ergänzt werden diese Aufnahmen durch hochwertige Farbfotografien religiöser Kunstwerke, Kirchenfenster und architektonischer Details. Damit zählt die Veröffentlichung auch gestalterisch zu den aufwendigsten Werken der bisherigen Schriftenreihe.

Der Sammelband „100 Jahre Kloster Bruche – zwischen Gebet und Alltag“ ist zum Preis von 12,50 Euro erhältlich. Interessierte können das Buch donnerstags zwischen 15.30 Uhr und 18 Uhr im Betzdorfer Haus der Geschichte sowie zu den regulären Öffnungszeiten am i-Punkt im Rathaus erwerben

Mit der neuen Veröffentlichung gelingt dem Betzdorfer Geschichtsverein erneut weit mehr als eine klassische Chronik. Entstanden ist ein lebendiges Stück regionaler Erinnerungskultur, das Vergangenheit bewahrt und zugleich sichtbar macht, welche Bedeutung Orte wie das Kloster Bruche bis heute für die Menschen der Region besitzen.